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10. June 2024

Die Kontroverse um Sweet Baby Inc.

In der Welt der Videospiele, wo Geschichten und Charaktere über Bildschirme zum Leben erwachen, steht Sweet Baby Inc. Im Rampenlicht einer hitzigen Debatte. SBI ist ein Entwicklungs- und Beratungsstudio mit Sitz in Montreal, Kanada. Dabei berät sie Videospieleentwickler während der Entwicklung, um Vielfalt, Gleichberechtigung, kulturelle Sensibilität und Inklusion in Spieleerzählungen und Studios zu fördern. Das Unternehmen hat sich zum Ziel gesetzt, Spiele ansprechender, unterhaltsamer, bedeutungsvoller und inklusiver für alle zu gestalten. Dabei haben sie bereits an großen Titeln wie beispielsweise God of War Ragnarök oder Alan Wake 2 mitgewirkt und wird von vielen Entwicklerfirmen angefragt. Deren Ziel ist es wiederum, dass beim Release des Spiels kein Fehltritt passiert, der dann auch kommerziell negative Folgen haben könnte, wenn ein Spiel in einem Land und damit auf einem möglicherweise relevanten Markt nicht veröffentlicht werden kann oder einen Shitstorm auslöst.  

Das Problem an der Sache 

Das Problem ist hierbei nicht etwa die Firma selbst, sondern eine Art Community, die es sich zur Aufgabe gemacht hat, jedes Spiel zu cancelen, welches die Arbeit der Sweet Baby Inc. in Anspruch genommen hat. Der „Anführer“ dieser Gruppe ist dabei der Steamkurator (Personen die Empfehlungen schreiben, um anderen bei der Entdeckung interessanter Spieler im Steam-Katalogs zu helfen) „Kabrutus“, der mit seiner Kuratorenseite auf Steam mit dem Accountname „Sweet Baby Inc detected“ alle diese Spiele schlecht bewertet – ob er sie nun gespielt hat oder nicht. Sein Account hat sogar über 350.000 Follower. Der Hass, der der Firma dadurch entgegenschwappt, nimmt massive Ausmaße an, es folgten Reddit- und Steam-Foren sowie ein Discord-Server, auf dem dazu aufgerufen wird, die mit Sweet Baby Inc. kooperierenden Entwicklerstudios mit Hassnachrichten zu bombardieren. Einige Nutzerinnen und Nutzer auf dem Server stellen offen rechtes Gedankengut dar, wie beispielsweise die Aussage, dass die EU in einem besseren Zustand wäre, wenn Deutschland den 2. Weltkrieg gewonnen hätte. Wichtig ist hierbei zu beachten, dass dies natürlich nur eine Minderheit dieser Gruppe repräsentiert und sich die meisten Menschen nicht aktiv an der Hetze beteiligen und die Moderatorinnen und Moderatoren des Discord-Servers diese bestimmten Personen gebannt haben. 

Die Problematiken beider Seiten im Fokus 

Dass dieser ganze Hass gegenüber Sweet Baby Inc. ein massives Problem für die Gesellschaft darstellt, steht außer Frage. Das Geschäftsmodell von Sweet Baby Inc. steht doch eigentlich für Gleichberechtigung aller Geschlechter, für Vielfalt und kulturelle Sensibilität. Doch die Menschen, die sich aktiv an der Hetze gegen das Unternehmen beteiligen sehen diese Hilfe als „Wokeifizierung“ sowie zu einer verminderten Qualität von Videospielen. So ist beispielweise eine Problematik der Mithilfe von Sweet Baby Inc., dass Frauen nichtmehr nur halb bekleidet in Games auftreten, Männer nicht mehr alle weiß und muskelbepackt sind. Alles, was nicht einem Bild von vor vielen Jahren entspricht sei woke und zerstöre die Gaming-Kultur.

Weniger drastische Stimmen sind der Meinung, dass es erzwungene Situationen schafft und damit Spielen ihren natürlichen Fluss rauben würde. Der Kurator selbst sagt zu dem Thema, dass seine Gruppe selbst sehr divers wäre und sieht dies als Begründung dafür, dass die Hetze gegen Sweet Baby Inc. keinen sexistischen oder rassistischen Hintergrund habe. Des Weiteren habe er auf X (ehemals Twitter) dazu aufgerufen, keinen Hass und Hetze zu verbreiten und lässt auch seinen Discord Server moderieren - was jedoch einige nicht davon abgehalten hat, sich Pro-Nationalsozialistisch zu äußern.  Manchmal kann man auch das Verhalten von Mitarbeitenden von Sweet Baby Inc. in Frage stellen Ein Mitarbeiter äußerte sich auf Twitter zu der Kuratorengruppe und rief seine Followern dazu auf, die Gruppe sowie den Betreiber ebendieser zu melden, mit dem Ziel, dass dieser seinen Account verliere. Eine andere Mitarbeiterin äußerte sich auf Twitter immer wieder abwertend gegenüber weißen Menschen und verfasste 2014 einen Tweet mit den Worten „abort all Jews“, was eine öffentliche Bekennung zu Rassismus gegenüber weißen und offensichtlich antisemitischen Inhalt darstellt.   

Fazit 

Ein weiteres Problem stellen Hypothesen dar, die davon ausgehen, dass Sweet Baby Inc. für eine gezwungene Diversität in Spielen sorgen würde. Doch unsere Welt ist divers, sie ist nicht weiß, männlich und extrem muskulös. Warum sollten Spiele also das Gegenteil sein? Ist es also eine gezwungene Diversität? In meinen Augen nicht, es ist eine Repräsentation unserer Lebenswelten und sollte auch als solche gesehen werden. Es wäre durchaus fraglich, Spiele weiter so zu entwickeln, wie es noch vor vielen Jahren der Standard war. Eine Stigmatisierung von Geschlechterrollen, Sexualisierung von Frauen oder auch die Misrepräsentation verschiedenster Kulturen. So entstand eine Grundsatzdebatte, die in einer Hasswelle endete, ob die Änderungen, welche Sweet Baby Inc. in der Gamingindustrie angestoßen hat, schon lange nötig waren, oder eine übertriebene Diversifizierung der Szene darstellen.